08.07.2010
Es ist soweit. Bevor mit dem Neubau des zukunftsweisenden neuen „OekoZenter Pafendall“ - ein ökologischer Vorzeigebau - begonnen werden kann, muss das alte Zentrum, in denen doch zahlreiche engagierte Stunden von hunderten von Menschen verbracht wurden – abgerissen werden. Am Mittwoch, den 7. Juli wurde mit den Arbeiten begonnen und bald dürfte nichts mehr stehen…
Sehen Sie hier:
Simulationen des neuen OekoZenter
Das neue OekoZenter Lëtzebuerg im Pfaffenthal -
einige Fakten
Die Geschichte vom Mouvement Ecologique und OekoZenter Lëtzebuerg im Pfaffenthal
Seit 1985 haben der Mouvement Ecologique und das OekoZenter Letzebuerg ihren Sitz auf der Nummer 6 rue Vauban. Das Gebäude gehört der Stadt Luxemburg und wird den Organisationen zur Verfügung gestellt. Bereits in den 90ger Jahren zeigte sich, dass der bestehende Bau in vielfältiger Hinsicht problematisch ist: Statikprobleme, schlechte Wärmedämmung… Deshalb bemühte sich der Mouvement Ecologique und das OekoZenter seit Ende der 90ger Jahre, dass das Haus saniert und auch - angesichts des Raumbedarfs - ausgebaut werden sollte. Es zeigte sich jedoch, dass das Haus derart baufällig ist, dass eine Sanierung kaum sinnvoll ist.
Nachdem jahrelang keine wirklichen Fortschritte im Dossier erzielt wurden, gewann die Situation an Brisanz, als sich herausstellte, dass die Schule ebenfalls renoviert werden müsse. Eine Renovierung des Schulgebäudes aber bedingt, dass im OekoZenter nicht mehr gearbeitet werden kann, ja sogar die Gefahr des Einsturzes besteht. An Dynamik gewann das Dossier auch, da sowohl die letzte Regierung als auch die Stadt Luxemburg die Bereitschaft zeigten, ein regelrechtes modernes zukunftsweisendes Zentrum zu unterstützen.
Vor 2 Jahren wurde deshalb die Option getroffen, das bestehende Gebäude abzureissen und einen neuen zukunftsweisenden Bau zu errichten.
Das OekoZentrum als Signal für die Valorisierung eines Viertels
Der Neubau des Zentrums bettet sich ein in ein Entwicklungskonzept, das die Stadt Luxemburg 2002 für das Pfaffenthal in die Wege leitete. Durch zusätzlichen Wohnraum, durch den Bau eines neues OekoZentrums soll das Pfaffenthal noch an Attraktivität gewinnen. In einer ersten Phase sollen zur Fussgängerbrücke hin entlang der Alzette 3 Wohnhäuser entstehen sowie das Schulgebäude renoviert und in ein «centre sociétaire» umgestaltet werden. Für das Pfaffenthal soll ein unterirdischer Parking mit 26 Parkingplätzen entstehen, 7 neue Parkplätzen auf der Oberfläche sowie ein überdachtes Fahrradparking. Die Parkplätze stehen den Einwohnern des Viertels zur Verfügung, wobei 6-7 für das Zentrum genutzt werden können (sowohl für die Konferenz und Seminarräume als auch für die Besucher der Dokumentation und des Cafés/Restaurants). Die Stadt Luxemburg verfolgt als Konzept, dass neue Bauten in bestehenden Vierteln sich deutlich architektonisch von der Umgebung abheben, und modern, z.B. mit Flachdach, errichtet werden. Auf diese Weise soll die “alte” Bausubstanz im Pfaffenthal mit “neuer” gemischt werden.
In einer weiteren Phase soll dann auch die rue Vauban attraktiver gestaltet werden, eine Begrünung erhalten und auch sicherer und bequemer für Fussgänger und Radfahrer werden.
Das OekoZentrum: das Haus für Nachhaltige Entwicklung im städtischen Bereich
Das OekoZenter besteht aus 3 Ebenen, wobei jede Ebene etwa 370 m2 umfasst.
Das OekoZenter wird der Sitz folgender Organisationen sein: OekoZenter Lëtzebuerg, Mouvement Ecologique, Klimabündnis Letzebuerg (einem Zusammenschluss Luxemburger Gemeinden), der Stiftung Öko-Fonds sowie der « Lëtzebuerger Vëlosinitiativ ».
Nebst Büroräumen beinhaltet das Zentrum aber vor allem folgende Räume:
- Einen grossen Konferenz- und Seminarraum, für etwa 100 Personen, der in zwei separate Räume eingeteilt werden kann. Dieser steht natürlich auch anderen Vereinigungen offen.
- Ein Dokumentationszentrum mit Veröffentlichungen und Beratung rund um das Thema der Umwelt, des Klimaschutzes, nachhaltigen Wohnen und Bauens, also einer nachhaltigen Entwicklung.
- Ein Café / Restaurantbereich.
Ziel des Oeko-Zentrums ist es, ein Ort zu werden, in dem aktiv an der Umsetzung der Idee der nachhaltigen Entwicklung gearbeitet wird: Projekte entwickelt werden; Aktionen überlegt; Konferenzen, Seminare, Weiterbildungsveranstaltungen angeboten werden. Nach dem Motto: En Haus fir Demokrati a nohalteg Entwécklung.
Das Zentrum soll entsprechend nicht «nur» Büroraum bieten, sondern vor allem auch BürgerInnen ermöglichen sich zu begegnen, sich auszutauschen, weiterzuentwickeln … deshalb sind auch Räume für die ehrenamtlich engagierten Personen vorgesehen.
Das OekoZentrum: Innovation aus ökologischer und energetischer Sicht
Das OekoZentrum wird vor allem auch ein exemplarischer Bau aus energetischer Sicht, aber auch was die Auswahl der Materialien betrifft. Einige Elemente unter anderen:
- Entschieden wurde sich seitens der Stadt Luxemburg für eine Holzbauweise, mit einem geringstmöglichen Anteil an «béton armé». Als Holz wurde zertifiziertes Lärchen-Holz zurückbehalten, da es sich hier um regionales Holz handelt, das auch witterungsbeständig ist und keiner Pflege bedarf. Dabei wird es im Laufe der Jahre seine «Farbe» leicht verändern.
- Für die Auswahl der verwendeten Materialien wurden häufig Ökobilanzen herangezogen, um somit auch eine optimale ökologische Auswahl zu gewährleisten. Dabei wurde aber auch der ökonomische Aspekt nicht aussen vorgelassen: d.h. der ökologische Mehrwert musste im Verhältnis zu den Kosten stehen.
- Als Dämmmaterial wurde vorwiegend Zellulose aus Papier (cellulose de papier) sowie Holzspäne (fibres de bois) genutzt, da diese besonders gute Dämmeigenschaften haben und zudem sehr ökologisch sind.
- Eingesetzt wird eine 3fach-Verglasung, wobei darauf geachtet wurde, einerseits optimal das Tageslicht zu nutzen, jedoch auch aus energetischen Gründen die Glasfläche nicht über zu dimensionieren.
- Es wird im Haus selbst kein Heizung verwendet, sondern für Hitzeperioden eine sog. adiabatische Heizung (Abkühlung durch Verdunsten von Wassser) bzw. einem ausgeklügelten Lüftungssystem. Lediglich für die Küche wurde eine «chaudière à condensation» vorgesehen.
- Folgende Elemente zeichnen den Bau zu dem aus: Auch für Belag des Aussenbereichs sollen regionale Materialien eingesetzt werden er verfügt über eine Regenwasseranlage. Geplant ist des Weiteren eine thermische Solaranlage von 36m2. Das Dach wird begrünt, was sowohl aus optischer Sicht besonders attraktiv ist, aber auch ökologische Vorteile mit sich bringt.
Der Bau entspricht dem Passivhausstandard, was für einen Bau mit derart zahlreichen verschiedenen Funktionen äusserst bemerkenswert ist! Bedenkt man zudem, dass auch noch besonders ökologische Materialien eingesetzt werden, so kann der Bau durchaus als modellhaft angesehen werden !
Die Mehrkosten gegenüber gängigen Bürogebäuden betragen zwischen 10-15% : dies beinhaltet sowohl die Mehrkosten für die optimale energetische Ausrichtung als auch für jene betreffend die ökologischen Materialien. Wobei angesichts der Komplexität des Baus, wohl der Referenzwert eines gängigen Bürogebäudes bereits recht niedrig angesetzt war.
Bedenkt man zudem, dass die Energieersparniss derart ist, dass die Mehrkosten bereits innerhalb von gut 10 Jahren eingespart werden, so ist der Bau durchaus als kostengünstig einzuschätzen und die Mehrkosten durchaus gerechtfertigt. Statt gängiger 80 kWh/(m2 a) Energieverbrauch benötigt der Bau nur einem Verbrauch von 14 kWh/(m2a). Somit werden pro Jahr mindestens 6.500 Liter Heizöl eingespart für das Heizen, abgesehen von den Ersparnissen an Elektrizität.
Einige weitere Fakten
- Gebaut wird das Gebäude von der Stadt Luxemburg, es wird vom Staat gemietet und den Organisationen zur Verfügung gestellt. Die Organisationen sind finanziell verantwortlich für die Inneneinrichtung.
- Die Renovierung des Schulgebäudes, der Bau des neuen OekoZenter, der Bau der Wohnungen sowie des unterirdischen Parkings bzw. des öffentlichen Platzes erfolgen als Gesamtauschreibung.
- Die Bauzeit des gesamten Projektes beträgt zwischen 2-3 Jahren.
Autor: Mouvement Ecologique
Das_neue_OekoZenter_Lëtzebuerg.pdf |

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